Ulcus cruris venosum

 

URSACHEN UND ANZEICHEN DER VENÖSEN FORM

 

Über die Venen wird unser Blut aus den Beinen zurück zum Herzen transportiert. Hierfür sind die Venen mit Klappen ausgestattet, die helfen, das Blut entgegen der Schwerkraft zu transportieren und ein Absacken des Blutes zu verhindern. Ist die Funktion dieser Klappen gestört/geschwächt, kommt es zum Rückstau des Blutes und die Venen erweitern sich.

Gesunde und ungesunde Vene

Krampfadern, Venenentzündungen oder Thrombosen können die Folge sein. Der Blutrückstau erhöht den Druck in den Blutgefäßen, wodurch die kleinsten Gefäße zerstört werden. Es kommt zu Wasseransammlungen im Gewebe mit gleichzeitiger Minderversorgung mit Blut und Nährstoffen. Das Gewebe geht unter und die Haut bricht auf zu einem Ulcus cruris venosum.
Risikofaktoren, die die Entstehung eines venösen Ulcus cruris beschleunigen oder begünstigen, sind vor allem zu wenig Bewegung durch z.B. stehende oder sitzende Tätigkeiten. Außerdem ist ein ungesunder Lebensstil durch ungesunde Ernährung (zu viel Fett und Zucker), Übergewicht und Rauchen zu nennen.

Allerdings spielen auch weniger beeinflussbare Faktoren wie ein zunehmendes Alter, Hormone (besonders bei Frauen, die auch deshalb häufiger betroffen sind als Männer) oder genetische Veranlagung eine Rolle.

 

ANZEICHEN

 

Eine Venenschwäche äußert sich durch schwere oder gefühlt „müde“ Beine. Betroffene berichten manchmal auch von juckender oder kribbelnder Haut. Zudem können auch immer wieder Schmerzen in den Waden auftreten, die besonders stark sind, wenn das betroffene Bein ruhig gehalten wird. Typisch ist außerdem das Anschwellen der Beine durch Wassereinlagerungen (Ödeme). Bei Nachtruhe schwellen die Beine ab und Betroffene müssen häufig Wasser lassen.

Weitere Anzeichen, die die Haut betreffen, sind braun-gelbe Hautflecken in den betroffenen Bereichen (= Hyperpigmentierung) und spinngewebsartige Gefäßzeichnung am inneren Fußrand sowie am Innenknöchel. Die Haut erscheint glänzend und ist insgesamt sehr dünn, wodurch sie leicht verletzbar ist.

Manchmal lassen sich Verhärtungen von Haut und Unterhautfettgewebe tasten, was schon ein Zeichen für bleibende Schäden am Gewebe ist.
Im weiteren Verlauf treten häufig weiße Stellen auf in dem Bereich, der später die Wunde darstellt (= Atrophie blanche). Am häufigsten findet sich ein Ulcus cruris venosum im Bereich des Innenknöchels, manchmal am Außenknöchel. Es gibt auch eine zirkuläre Form, die dann den Unterschenkel umspannt (= Gamaschenulcus).

 

VORBEUGENDE MAßNAHMEN

 

Um die Durchblutung in den Venen zu verbessern und ein Ulcus cruris venosum zu verhindern, ist das konsequente Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen besonders wichtig. Zudem sollte die Wadenmuskelpumpe aktiviert werden. Dies kann durch Spaziergänge, Nordic Walking oder Gymnastik erreicht werden. Wichtig ist hierbei, auf flaches Schuhwerk zu achten. Bei eingeschränkter Mobilität kann die Muskelwadenpumpe alternativ durch Bewegungsübungen im Sitzen oder Liegen aktiviert werden.

Fußwippe-Thromboseübung Schritt 1

Drücken Sie die Ferse in den Boden und ziehen Sie die Zehen in Richtung Ihrer Nase an. Dann rollen Sie den Fuß bis auf die Zehenspitzen ab. Die Ferse ist nun vom Boden abgehoben. Diese wippende Bewegung wiederholen Sie mehrere Male und halten dabei beide Stellungen jeweils einige Sekunden.

Fußwippe-Thromboseübung Schritt 2

Förderlich für den Blutrückfluss und ggf. das Abschwellen der Beine ist außerdem das Hochlagern der Beine. Dies kann jederzeit in den Alltag integriert werden. So z. B. beim Lesen, Fernsehen oder auch beim Essen, indem die Beine auf einen Hocker gelagert werden. Negativ wirkend auf den Blutrückfluss ist hingegen langes Stehen und Sitzen und sollte daher vermeiden werden, ebenso das Übereinanderschlagen der Beine.

Da sich die Gefäße bei Wärme ausweiten, sollten keine heißen Bäder genommen werden und die Beine vor Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Wie bei der Vorbeugung vieler Krankheiten spielt auch bei der Vorbeugung eines Ulcus cruris die Ernährung eine Rolle. Ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und die Reduktion von etwaigem Übergewicht wirken sich positiv auf die Venengesundheit und damit die Vorbeugung eines Ulcus cruris venosum aus.

 

DIAGNOSE

 

Um sicher festzustellen, ob ein Ulcus cruris venosum vorliegt, muss auf jeden Fall eine Diagnose betrieben werden. Dazu gehören eine Abklärung der Risikofaktoren, eine Abklärung von Vorerkrankungen und eine gezielte Anamnese.

Als weiterführende diagnostische Maßnahme kommt die Beurteilung des Venensystems mittels Kontrastmittel (> Phlebografie) in Betracht. Außerdem kann mittels Magnetresonanzangiografie oder Computertomografieangiografie eine Darstellung von Blutgefäßen (Arterien und Venen) erfolgen. Liegt ein Ulcus cruris venosum vor, erfolgt die Einteilung in sechs Schweregrade des Ulcus oder vier Stadien der CVI. Je höher die Zahl, umso weiter ist die Erkrankung fortgeschritten.

Die darauf folgende Behandlung hängt davon ab, ob eine vorherrschende chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) oder bereits ein entstandenes Ulcus cruris behandelt werden soll. In Absprache mit einem Arzt können verschiedene Therapien zum Einsatz kommen:

 

BEHANDLUNG DER CVI

 

Physikalische Therapie
Hierbei wird gerade zu Beginn der Therapie das betroffene Bein bandagiert. Ergänzend kann eine Lymphdrainage verordnet werden sowie Mobilisierung durch Bewegungsübungen. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit der physikalischen Therapie ist die apparative intermittierende Kompression, bei der über Manschetten mit einer oder mehreren Luftkammern abwechselnd Druck zugegeben und ausgesetzt wird. Hierdurch wird die Muskeltätigkeit in Bewegung nachgeahmt und der Mechanismus unserer Muskelpumpe unterstützt.

Grundsätzlich sollten Betroffene einer CVI auch nach der Therapie ein Leben lang Kompressionsstrümpfe tragen.

Medikamentöse Therapie
Zur Unterstützung der Venen werden manchmal Venentherapeutika eingesetzt, und zur Vorbeugung von Thrombosen werden teilweise gerinnungshemmende Medikamente gegeben.

Invasive Therapie
Bei schweren Fällen der CVI werden auch folgende invasive Therapien in Betracht gezogen:

  • Venenstripping: operatives Herausziehen der Venen
  • Phlebektomie: Entfernung einer Vene oder eines Venenstückes
  • Venenklappentransplantation
  • Venenverödung: Sklerosierung
  • Unterbindung der Verbindungsvenen des Venensystems in der Leiste (Crossektomie)
  • Radiowellen- oder Lasertherapie
  • intravenöse Koagulation: eine Art Verschweißen von Venen
  • Kryo-Methode: Kältetherapie

 

BEHANDLUNG DES VENÖSEN ULCUS CRURIS

 

Ist bereits ein Ulcus cruris entstanden, ist eine lokale Wundbehandlung durchzuführen. Diese ist vor allem stadiengerecht durchzuführen. Das heißt, dass je nachdem, in welchem Stadium sich die Wunde befindet, ob sie z.B. stark nässt, entzündet ist oder bereits abgestorbenes Gewebe aufweist, unterschiedliche Wundauflagen zum Einsatz kommen.

Die Wunde wird gereinigt, Beläge entfernt und ggf. eine Infektionstherapie mit Wundantiseptika eingeleitet. Die Haut rund um die Wunde sollte außerdem gepflegt werden. Ergänzend ist eine Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen oder -verbänden unbedingt vorgesehen. Wichtig ist außerdem, Schmerzen der Betroffenen zu vermeiden bzw. zu lindern.

 

WAS KÖNNEN SIE TUN?

 

Befolgen Sie auf jeden Fall die Therapieanweisungen Ihres Arztes und haben Sie Geduld, wenn die Wundheilung Zeit in Anspruch nimmt. Was Sie tun können, ist, an den beeinflussbaren Risikofaktoren zu arbeiten.

Übergewicht und ungesunde Ernährung z.B. Sie tun gut daran, wenn Sie gezielt – aber nicht übertrieben – auf ausreichende Zufuhr von Eisen, Eiweiß, Zink, Vitaminen (besonders B12) achten, denn dies kann die Wundheilung unterstützen.

Sorgen Sie je nach Mobilität für Bewegung, ggf. auch „nur“ im Sinne von Sitzgymnastik. Vermeiden Sie beim Sitzen das Überschlagen der Beine. Bei der Körperpflege wie dem Duschen/ Baden sollten Sie hohe Wassertemperaturen (über 28 Grad) sowie einen festen Wasserstrahl auf die Beine vermeiden.

Um zu vermeiden, dass ein Ulcus cruris venosum wiederkommt, ist die lebenslange Kompression der Beine wichtig. Pflegen Sie Ihre Haut an den Beinen und vermeiden Sie Verletzungen etwa durch enge einschnürende Kleidung. Sollte es doch zu einer wenn auch nur winzigen Verletzung kommen, konsultieren Sie Ihren Arzt, um ggf. sofort wundheilungsfördernde
Maßnahmen einzuleiten.

Zur Förderung der Venentätigkeit ist natürlich Bewegung das Mittel der Wahl sowie das Hochlagern der Beine zur Entlastung und ggf. Abschwellung.

 

Pflegeleitfaden stationäre Pflege

Martina Bliefernich

Über den Autor

Martina Bliefernich
Mein Name ist Martina Bliefernich, als Intensivkrankenschwester und Gesundheitsökonomin befasse ich mich seit 10 Jahren mit pflegerischen Prozessen und habe mich auf die redaktionelle Betreuung von Kommunikationsmitteln rund um die Pflege spezialisiert.
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